Steve Lehrer - Frage: Was ist die Beziehung des Abrahamitischen Bundes zum Alten und Neuen Bund?
Die Heilige Schrift widmet der Erklärung und den Berichten, wie Gott die Verheißungen, die er Abraham gab, breiten Raum. Leute sind verwirrt darüber, wie genau der Abrahamitische Bund erfüllt wird und in welcher Beziehung er zu den anderen Bünden steht. Der Abrahamitische Bund enthält beide, sowohl den Alten als auch den Neuen Bund. Das heißt, der Alte und der Neue Bund sind die physische und geistliche Erfüllung des Abrahamitischen Bundes. Der Bund, den Gott mit Abraham macht, offenbart Gottes Plan, ein Volk zu retten und sie in sein Land zu bringen. Unter dem Alten Bund rettet Gott ein Volk physisch (die physischen Nachkommen Abrahams) von den Ägyptern und bringt sie das Gelobte Land, Palästina. Unter dem Neuen Bund rettet Gott Gläubige geistlich (die geistlichen Nachkommen Abrahams) von Sünde und Verdammung und bringt sie in das geistliche Land (die Ruhe des Heils heute und später im Himmel). Folglich umfasst der Abrahamitische Bund sowohl den Alten als auch den Neuen Bund.
I. Der Abrahamitische Bund physisch erfüllt
Die Epoche, in der das Mosaische Gesetz in Kraft war, ist der Bericht von Gottes physischer Erfüllung der Verheißungen an Abraham. Unter dem Alten Bund sehen wir, wie Gott die physischen Nachkommen Abrahams ins Land, das er ihnen verheißen hatte, bringt und ihnen physische Ruhe gibt. Wenn wir den Abrahamitischen Bund studieren, stellen wir fest, dass die physische oder die Blutsverwandtschaft mit Abraham ein dominantes Thema ist. Alle physischen Nachkommen von Abraham und Sara waren in den Bund, der mit Abraham gemacht wurde, eingeschlossen. Glaube war nicht notwendig. Es war die physische Geburt, durch die jemand Teil des Abrahamitischen Bundes in seiner physischen Form wurde. Schauen wir uns die Verheißungen an, die Gott Abraham machte:
„Nach diesen Geschichten begab sich's, dass zu Abram das Wort des HERRN kam in einer Offenbarung: Fürchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn. 15,2 Abram sprach aber: HERR, mein Gott, was willst du mir geben? Ich gehe dahin ohne Kinder, und mein Knecht Elïser von Damaskus wird mein Haus besitzen. 15,3 Und Abram sprach weiter: Mir hast du keine Nachkommen gegeben; und siehe, einer von meinen Knechten wird mein Erbe sein. 15,4 Und siehe, der HERR sprach zu ihm: Er soll nicht dein Erbe sein, sondern der von deinem Leibe kommen wird, der soll dein Erbe sein. 15,5 Und er hieß ihn hinausgehen und sprach: Sieh gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen? Und sprach zu ihm: So zahlreich sollen deine Nachkommen sein! 5,6 Abram glaubte dem HERRN, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit. 15,7 Und er sprach zu ihm: Ich bin der HERR, der dich aus Ur in Chaldäa geführt hat, auf dass ich dir dies Land zu besitzen gebe“ (1Mo 15,1-7).
„Als nun Abram neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der HERR und sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott; wandle vor mir und sei fromm. 17,2 Und ich will meinen Bund zwischen mir und dir schließen und will dich über alle Maßen mehren. 17,3 Da fiel Abram auf sein Angesicht. Und Gott redete weiter mit ihm und sprach: 17,4 Siehe, ich habe meinen Bund mit dir, und du sollst ein Vater vieler Völker werden. 17,5 Darum sollst du nicht mehr Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein; denn ich habe dich gemacht zum Vater vieler Völker. 17,6 Und ich will dich sehr fruchtbar machen und will aus dir Völker machen, und auch Könige sollen von dir kommen. 17,7 Und ich will aufrichten meinen Bund zwischen mir und dir und deinen Nachkommen von Geschlecht zu Geschlecht, dass es ein ewiger Bund sei, so dass ich dein und deiner Nachkommen Gott bin. 17,8 Und ich will dir und deinem Geschlecht nach dir das Land geben, darin du ein Fremdling bist, das ganze Land Kanaan, zu ewigem Besitz, und will ihr Gott sein“ (1Mo 17,1-8).
Abraham werden viele leibliche Nachkommen versprochen. Gott verheißt, dass die Nachkommen Abrahams nicht nur äußerst zahlreich sein würden, sondern dass sie das Land Kanaan besitzen werden. Die höchste Verheißung ist, dass Gott „ihr Gott sein wird“. Dies sind große und wichtige Verheißungen, die überall im 1. Buch Mose wiederholt werden. Wie und wann wurden sie erfüllt?
A. „Zahlreiche Nachkommen“ physisch erfüllt
Das Volk, das die Nation Israel bildete, waren die physischen Nachkommen Abrahams. Die Erfüllung der Verheißung an Abraham von „zahlreichen Nachkommen“ konnte nicht klarer erfüllt werden als im künftigen Volk, das unter den Ägyptern in Knechtschaft lebte.
„Als nun Josef gestorben war und alle seine Brüder und alle, die zu der Zeit gelebt hatten, 1,7 wuchsen die Nachkommen Israels und zeugten Kinder und mehrten sich und wurden überaus stark, so dass von ihnen das Land voll ward. 1,8 Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wusste nichts von Josef 1,9 und sprach zu seinem Volk: Siehe, das Volk Israel ist mehr und stärker als wir. 1,10 Wohlan, wir wollen sie mit List niederhalten, dass sie nicht noch mehr werden. Denn wenn ein Krieg ausbräche, könnten sie sich auch zu unsern Feinden schlagen und gegen uns kämpfen und aus dem Lande ausziehen. 1,11 Und man setzte Fronvögte über sie, die sie mit Zwangsarbeit bedrücken sollten. Und sie bauten dem Pharao die Städte Pitom und Ramses als Vorratsstädte. 1,12 Aber je mehr sie das Volk bedrückten, desto stärker mehrte es sich und breitete sich aus. Und es kam sie ein Grauen an vor Israel“ (2Mo 1,6-12).
B. „Ich will ihr Gott sein“ physisch erfüllt
Die Nation Israel im Alten Bund genoss einen speziellen nationalen Status und eine Art von Adoption von Gott. 5. Mose 7 ist ein gutes Beispiel für diese Tatsache:
„Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. 7,7 Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker - denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, 7,8 sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat er euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten“ (5Mo 7,6-8).
Gott hatte mit den Israeliten eine Beziehung, die er zu dieser Zeit mit keinem anderen Volk der Welt hatte. Es war keine errettende Beziehung, in der die Israeliten geistlich erlöst wurden (Hebr 3,19), sondern die ganzen Nation war physisch erlöst und auserwählt, auf eine Weise der Empfänger von Gottes Liebe zu sein, wie dies zu der Zeit auf kein anderes Volk zutraf. Gott beschützte sie und kämpfte auf ihrer Seite. Er redete zu ihnen und gab ihnen die Schriften. Er benutzte ihre Nation, um den Messias in die Welt zu bringen.
C. „Besitz des Landes“ physisch erfüllt
Das Israel des Alten Bundes genoss physische Ruhe im Lande Kanaan. In der Tat, das Buch Josua weist mit Nachdruck darauf hin, dass die Verheißungen an Abraham erfüllt worden waren, als die Israeliten schließlich den Großteil des Landes eingenommen hatten.
„So hat der HERR Israel das ganze Land gegeben, das er geschworen hatte, ihren Vätern zu geben, und sie nahmen's ein und wohnten darin. 21,44 Und der HERR gab ihnen Ruhe ringsumher, ganz wie er ihren Vätern geschworen hatte; und keiner ihrer Feinde widerstand ihnen, sondern alle ihre Feinde gab er in ihre Hände. 21,45 Es war nichts dahingefallen von all dem guten Wort, das der HERR dem Hause Israel verkündigt hatte. Es war alles gekommen“ (Jos 21,43-45).
Nichts weiteres musste passieren, damit Gott sein Wort an Abraham erfüllte. Seine Verheißungen von Ruhe und Einnahme des Landes waren erfüllt worden, genauso wie die Verheißungen von zahlreichen Nachkommen und eine besondere Beziehung zu Gott. Zur Zeit der Eroberung des Landes Kanaan unter Josua war alles erfüllt worden.
II. Der Abrahamitische Bund geistlich erfüllt
Der Neue Bund ist die geistliche Erfüllung des Abrahamitischen Bundes. Unter dem Neuen Bund sehen wir, wie Gott die geistlichen Nachkommen Abrahams gebiert. Diese Nachkommen erhalten ein ewiges Besitztum eines geistlichen Landes und einer geistlichen Ruhe. Sie werden auch in eine besondere Beziehung zu Gott gebracht und von ihm adoptiert. Gott verheißt, sie auf ewig zu lieben und sie niemals zu verwerfen.
A. “Zahlreiche Nachkommen“ geistlich erfüllt
Die Verheißung des Abrahamitischen Bundes wies im Voraus auf Jesus hin, den einen wahren Nachkommen (Samen) Abrahams. Niemand hätte das verstanden, wenn Gott diese Wahrheit nicht durch die Schriften des Neuen Bundes offenbart hätte. Schauen wir uns die Verheißung nochmals genau an: „Und er hieß ihn hinausgehen und sprach: Sieh gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen? Und sprach zu ihm: So zahlreich sollen deine Nachkommen (dein Same) sein! (1Mo 15,5,). Die Benutzung des Wortes Same wird grammatikalisch als ein kollektives Singular (Einzahl) bezeichnet. In der Englischen Sprache benutzen wir häufig den kollektiven Singular. Zum Beispiel: „Ich ging zur Gärtnerei um einen Sack voll Saatgut zu holen.“ Wenn ich das sage, weiß jeder, dass ich nicht hinging und einen Sack mit einem riesigen Saatkorn darin abholte, sondern vielmehr einen Sack mit Tausenden und Abertausenden von einzelnen Saatkörnern. Aber Paulus greift im Galaterbrief auf Moses Verwendung eines kollektiven Singulars in seiner neutestamentlichen inspirierten Auslegung von 1. Mose 15,5 zurück. In Galater 3 lässt sich Paulus aus, um die Beziehung des Alten Bundes zur geistlichen Erfüllung des Abrahamitischen Bundes zu erklären: „Nun ist die Verheißung Abraham zugesagt und seinem Nachkommen. Es heißt nicht: und den Nachkommen, als gälte es vielen, sondern es gilt einem, ‚und deinem Nachkommen’, welcher ist Christus“ (Gal 3,16).
Was soll ein verantwortlicher Ausleger mit einer solchen offensichtlichen Diskrepanz anfangen? Der Kontext in 1. Mose verlangt absolut und eindeutig ein kollektives Singular, was die Bedeutung „viele Nachkommen“ hat. Paulus gibt uns den letztendlichen Zweck des Textes. Dies ist in legitimer Weise eine zweite göttlich inspirierte Bedeutung des Textes. Es ist die Bedeutung des Textes in seiner Erfüllung und worauf er immer schon hinwies. Die Verheißung von Nachkommen an Abraham wurde schließlich in Christus erfüllt. Aber das ist noch nicht alles. Paulus fährt fort und identifiziert all diejenigen, die allein auf Christus vertrauen als die geistlichen Nachkommen Abrahams: "Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. 3,29 Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Kinder und nach der Verheißung Erben“ (Gal 3,28-29). Paulus lässt uns wissen, dass ein Same oder Nachkomme Abrahams zu sein im neutestamentlichen Sinne nichts mit der Blutsverwandtschaft zu Abraham zu tun hat, wie dies in der Epoche des Alten Bundes der Fall war. Alle jene, die zu Jesus Christus gehören, sowohl Juden als auch Heiden, sind die wahren Empfänger der Verheißung, die Abraham gegeben wurde. Jesus Christus und die Kirche sind die geistliche oder neutestamentliche Erfüllung der Abrahamitischen Verheißung von vielen Nachkommen.
B. „Ich will ihr Gott sein“ geistlich erfüllt
Die Beziehung Gottes zur physischen Nation Israel in der Epoche des Alten Bundes war von seiner Beziehung zu all denen, die im Neuen Bund sind, qualitativ verschieden. Die Israeliten waren von Gott „geliebt“, „auserwählt“ und „erlöst“, aber die meisten von ihnen gingen wegen Unglaubens zur Hölle (Hebr 3,19). Gott richtete seine rettende Liebe nicht auf alle Angehörigen dieses Volkes. Gott erwählte Israel nicht auf dieselbe Weise, wie er Gläubige seit Grundlegung der Welt erwählte, um heilig und untadelig zu sein (Eph 1,4). Die meisten Israeliten in der Epoche des Alten Bundes waren, wie es Theologen klassifizieren, „historisch Auserwählte“, um eine besondere Rolle in Gottes Plan der Erlösung zu spielen. Sie waren physisch, aber nicht geistlich erlöst. Gewiss haben diese Menschen das erstaunliche Wohlwollen, das Gott ihnen erwies, nicht verdient. Er gab ihnen den Alten Bund, der Sinnbilder und Schatten des Evangeliums hat. Niemand sonst in der Welt hatte diese Bilder und Schatten.
In Hebräer 8,7-12 beschreibt der Autor den Neuen Bund und wie er im Kontrast mit dem Alten oder Mosaischen Bund steht:
„Denn Gott tadelt sie und sagt: ‚Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da will ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen, 8,9 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tage, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen. Denn sie sind nicht geblieben in meinem Bund; darum habe ich auch nicht mehr auf sie geachtet, spricht der Herr“ (V. 8-9).
Wir müssen unseren Blick darauf richten, inwiefern der Neue Bund „nicht wie der Mosaische Bund“ sein wird. Auf welche Weise wird er anders ein? Der Text fährt fort um es zu klarzumachen: „Denn das ist der Bund, den ich schließen will mit dem Haus Israel nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz geben in ihren Sinn, und in ihr Herz will ich es schreiben und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein“ (V. 10). Obwohl das Israel des Alten Bundes Gottes Volk war und er in einer Hinsicht ihr Gott war, wurde dies in einer anderen Hinsicht in der Epoche des Alten Bundes nicht erfüllt. Das ist der Punkt, den dieser Abschnitt hervorhebt. Es bedurfte es Werkes Christi am Kreuz, das den Neuen Bund etablierte, um die geistliche Erfüllung dieser Verheißung an Abraham herbeizuführen. Das heißt, Christus erkaufte im Neuen Bund sogar für jeden Geringsten die vollständige Vergebung der Sünden und ein Herz, das Gott liebt. Das Ergebnis ist, dass im Unterschied zum Volk Israel in der Epoche des Alten Bundes, die Menschen im Neuen Bund sich Gott tatsächlich nahen können. Gott ist nicht länger unser ewiger Feind und das bedeutet es für Gott, unser Gott zu sein.
In Hebräer 10 ist der Kontext der Gegensatz zwischen dem Werk Christi und der Werk der Priesterschaft im Alten Bund. Die levitischen Priester waren unfähig, den Gläubigen vor Gott annehmbar zu machen, während Jesu priesterliches Wirken am Kreuz dies erreichte:
„Weil wir denn nun, liebe Brüder, durch das Blut Jesu die Freiheit haben zum Eingang in das Heiligtum, 10,20 den er uns aufgetan hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das ist: durch das Opfer seines Leibes, 10,21 und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes, 10,22 so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in vollkommenem Glauben, besprengt in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser“ (Hebr 10,19-22).
C. „Der Besitz des Landes“ geistlich erfüllt
Das Neue Testament behandelt die Land-Verheißung, die Abraham gegeben wurde, als eine Verheißung der geistlichen Ruhe für Gottes wahres Volk. Josua gab ihnen nur physische Ruhe im physischen Land. Wir sahen, dass die Israeliten diese Ruhe in der Tat erreichten, aber der Autor des Hebräerbriefes sagt uns, dass Josua ihnen niemals Ruhe gab. Schauen wir uns diesen scheinbaren Widerspruch an:
„So hat der HERR Israel das ganze Land gegeben, das er geschworen hatte, ihren Vätern zu geben, und sie nahmen's ein und wohnten darin. 21,44 Und der HERR gab ihnen Ruhe ringsumher, ganz wie er ihren Vätern geschworen hatte; und keiner ihrer Feinde widerstand ihnen, sondern alle ihre Feinde gab er in ihre Hände. 21,45 Es war nichts dahingefallen von all dem guten Wort, das der HERR dem Hause Israel verkündigt hatte. Es war alles gekommen“ (Jos 21,43-45).
„Denn wenn Josua sie zur Ruhe geführt hätte, würde Gott nicht danach von einem andern Tag geredet haben. 4,9 Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes. 4,10 Denn wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken so wie Gott von den seinen. 4,11 So lasst uns nun bemüht sein, zu dieser Ruhe zu kommen, damit nicht jemand zu Fall komme durch den gleichen Ungehorsam“ (Hebr 4,8-11).
Diese Schriftstellen stehen in direktem Gegensatz, wenn wir nicht in Betracht ziehen, wie Ruhe und Land im Hebräer 3 und 4 interpretiert werden. Der Wüsten-Generation im 2. Buch Mose wurde nicht erlaubt, „zu Gottes Ruhe“ im Gelobten Land einzugehen. In Hebräer 3 wird dies so verstanden, dass sie das Heil nicht erlangten. Josua jedoch hat die Israeliten ins Gelobte Land geführt und ihnen wurde Ruhe von ihren physischen Feinden zuteil! Aber der Autor des Hebräerbriefes weist über die physische Erfüllung betreffs eines physischen Landes und einer physischen Ruhe vom Krieg hinaus und schaut auf die Ruhe des Heils. Die Verheißung von Kanaan als einem ewigen Besitz ist schließlich und letztendlich im ewigen Besitz des Heils erfüllt.
Zusammenfassend können wir sagen, dass ein besseres Verstehen der Beziehung des Abrahamitischen Bundes zum Alten und Neuen Bund einem erlaubt, ein besseres Verständnis zu haben, wie die Heilige Schrift zusammenpasst. Der Abrahamitische Bund enthält sowohl den Alten als auch den Neuen Bund. Der Alte Bund ist die physische Erfüllung der Verheißung an Abraham und der Neue Bund ist die geistliche Erfüllung.
Frage: Es gibt in den Propheten Verheißungen über die Zukunft, die nicht erfüllt wurden und die etwas seltsam scheinen. Es gibt im Alten Testament Verheißungen, dass das Volk Israel das physische Land Palästina und politische und militärische Macht erhalten wird. Es gibt Verheißungen, dass es eine große Anzahl von levitischen Priestern geben wird, die auf ewig Opfer darbringen. Wie geht die NBT mit solchen Verheißungen um?
Manchmal scheine die Dinge, die von den Propheten über ein künftiges Zeitalter gesagt werden, unglaublich und schwer zu erklären. Diese Propheten sprechen von einer Zeit nach dem Gericht Gottes über Israel für ihre Sünden, in der es eine Wiederherstellung der Nation geben wird. Aber die Beschreibungen dieser Zeit großer Segnungen sind voller Details, die für den Gläubigen im Neuen Bund unvorstellbar wunderbar und rätselhaft sind. Weil die NBT ein richtiges Verständnis hat, wie die ganze Schrift zusammenpasst, haben wir eine schlüssige Weise, diese Schriftstellen zu interpretieren. Wir verstehen, dass der Abrahamitische Bund zuerst physisch im Alten Bund und im Volk Israel, und dann geistlich im Neuen Bund und in der Kirche erfüllt wurde. Im Lichte dessen sehen wir in der Epoche des Alten Bundes, dass uns geistliche Wahrheiten in Bildform nahegebracht werden. Als Gott die Notwendigkeit offenbarte, dass die Sünde des Menschen gesühnt wird, benutzte er die Sinnbilder und Schatten eines komplizierten Opfersystems, einschließlich Tausender Priester und Haustiere. Als Gott die Verheißung offenbarte, bei seinem Volk zu wohnen, tat er diese durch Sinnbilder und Schatten des Landes im Mittleren Osten und in einem Gebäude von Ziegelsteinen und Mörtel. Das war die Methode, wie Gott seinen Plan in der Epoche des Alten Bundes offenbarte. Wenn Gott also die Propheten benutzte, die geistliche Erfüllung von Gottes Plan im Neuen Bund zu erklären, entschied sich Gott, die Sprache der Bilder und Schatten zu benutzen. Er beschrieb seinen Neuen Bund in der Sprache des Alten Bundes. Er wies in der strahlendsten und klarsten Weise, wie es die physischen Sinnbilder und Schatten erlaubten, auf das geistliche Ziel von Gottes Plan hin.
Es gibt eine weitere Prophezeiung in Amos 9,11-12, die in Apostelgeschichte 15,14-20 zitiert wird, die uns in unserem Verständnis helfen wird, wie Gott alttestamentliche Prophezeiungen betreffend einer zukünftigen Wiederherstellung des Geschicks der Nation Israel interpretiert. Unser erster Schritt bei der Auslegung dieser Prophezeiung in Buch Amos liegt darin, ihren Kontext innerhalb des Alten Testaments zu bestimmen. Amos prophezeit gegen das nördliche Königreich (Israel) und hält ihnen eine Standpauke wegen ihres Götzendienstes und ihrer sozialen Ungerechtigkeit. Die Prophezeiung konzentriert sich auf das kommende Gericht, das Gott durch sein auserwähltes Instrument, die Assyrer, im Jahr 722 v. Chr. über Israel bringen wird. Am Ende einer Serie von Visionen bezüglich Gottes Gericht über Israel, lesen wir, dass Gott Pläne hat, das Volk Israel wiederherzustellen.
„Zur selben Zeit will ich die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten und ihre Risse vermauern und, was abgebrochen ist, wieder aufrichten und will sie bauen, wie sie vorzeiten gewesen ist, 9,12 damit sie in Besitz nehmen, was übrig ist von Edom, und alle Heiden, über die mein Name genannt ist, spricht der HERR, der solches tut.“
„Zur selben Zeit“ bezieht sich auf eine Zeit nach dem verheißenen Gericht über Israel, das Gott über sie im Jahre 722 v. Chr. ausgoss. Nach Amos, wird „diese Zeit“ oder Zeitspanne nach dem Gericht über Israel eine Zeit der Wiederherstellung der Nation sein. „Davids zerfallene Hütte“ bezieht sich auf das geteilte Königreich. Als David über Israel regierte, war es ein vereintes Königreich und es wird in der Schrift als das goldene Zeitalter Israels betrachtet. Aber zur Zeit, als Amos prophezeite, war das Königreich geteilt und Israel befand sich an einem moralischen und politischen Tiefpunkt. Gott sagte durch Amos, dass Gott die Nation Israel an einem künftigen Tag vereinen und sie wieder so machen würde, wie sie in den Tagen Davids und Salomons war. Dies soll aus einem bestimmten Grunde geschehen: Das nationale Israel soll in der Zukunft vereinigt werden, „damit sie in Besitz nehmen, was übrig ist von Edom und alle Nationen (Heiden), über die mein Name genannt ist.“
Wenn wir nun Edom in einem Standard-Bibellexikon nachschlagen, finden wir heraus dass „der Begriff Edom entweder den Namen Esau bedeutet, der ihm in Erinnerung an das rote Linsengericht, für das er sein Erstgeburtsrecht eintauschte, gegeben wurde ... oder kollektiv die Edomiter ... oder das Land, das von Esaus Nachkommen besetzt ist, früher das Land Seir ... Es erstreckte sich ca. 160 Kilometer vom Wadi Zeret bis zum Golf von Akaba, und auf beiden Seiten von Araba, oder der Wüste Edom.“
So war es also ein Hinweis auf die politische und militärische Vormachtstellung über ihre nationalen Feinde, als Gott Israel verhieß, dass sie den Rest Edoms besitzen würden. Gott verhieß durch Amos, dass es eine Zeit in der Zukunft, nach dem Exil Israels, geben wird, wenn die Nation Israel militärische Vormachtstellung über ihre Feinde, politische Wiedervereinigung und natürlich die Ausweitung seiner physischen Grenzen auf seine ursprüngliche Größe unter der Herrschaft Davids haben würde.
Wenn wir uns unserem Neuen Testament zuwenden, finden wir Amos 9,11-13 von Lukas in der Apostelgeschichte 15 zitiert. Gott inspirierte natürlich Lukas, um den Abschnitt aus Amos in der Apostelgeschichte auszulegen. Wenn wir uns Apostelgeschichte 15 anschauen, ist es daher unsere Aufgabe, zu bestimmen, wie Amos 9 im Lichte des Todes, der Auferstehung und Himmelfahrt Christi ausgelegt wird.
In Apostelgeschichte 15 trifft sich das Apostelkonzil in Jerusalem, um die Frage zu diskutieren, ob Heiden in das Volk Gottes inkludiert werden können. Mit anderen Worten: Können Nicht-Juden gerettet werden? Sie sprachen auch die verwandte Frage des Gesetzes Mose an und welchem Gesetz, wenn überhaupt einem, Gläubige gehorchen müssen. Jakobus spricht die erste Frage an, indem er zeigt, dass die Propheten das Verständnis von Petrus über Gottes Gnade, Nicht-Juden zu erreichen, legitimierten, indem er das Buch Amos zitierte:
„Simon hat erzählt, wie Gott zum ersten Mal die Heiden gnädig heimgesucht hat, um aus ihnen ein Volk für seinen Namen zu gewinnen. 15,15 Und dazu stimmen die Worte der Propheten, wie geschrieben steht: ‚15,16 Danach will ich mich wieder zu ihnen wenden und will die zerfallene Hütte Davids wieder bauen, und ihre Trümmer will ich wieder aufbauen und will sie aufrichten, 15,17 damit die Menschen, die übriggeblieben sind, nach dem Herrn fragen, dazu alle Heiden, über die mein Name genannt ist, spricht der Herr, 15,18 der tut, was von alters her bekannt ist.’ 15,19 Darum meine ich, dass man denen von den Heiden, die sich zu Gott bekehren, nicht Unruhe mache, 15,20 sondern ihnen vorschreibe, dass sie sich enthalten sollen von Befleckung durch Götzen und von Unzucht und vom Erstickten und vom Blut“ (Apg 15,14-20).
Jakobus interpretiert Amos so, dass Gott Heiden rettet und dass auch sie in das Volk Gottes eingeschlossen werden sollten. Wir wissen auch von der Auslegung des Jakobus, dass die Wendung „danach“ in Amos 9 sich auf die Zeit bezieht, in der Gott Heiden rettet, das ist von Pfingsten bis zum zweiten Kommen Christi. Jakobus verstand, dass die Periode, von der Amos prophezeite, tatsächlich im ersten Jahrhundert n. Chr. stattfand! Er glaubte, dass die Wiedervereinigung und Wiederherstellung Israels passierte. Aber es war ganz deutlich keine nationale Wiederherstellung, weil sie Nicht-Israeliten einschloss und Israel, die Nation, war zur damaligen Zeit fest unter der Herrschaft Roms.
Es gibt noch etwas anderes, das in Gottes Verwendung von Amos 9 in Apostelgeschichte 15 wichtig ist. Beachten Sie, dass es den Anschein hat, dass der Verweis auf Edom entfernt wurde und die Aktion, die aus der Wiederherstellung Israels resultiert, hat sich vom Besitz der Feinde zu Gottes Auserwählung von Menschen aus allen Völkern der Welt geändert. Die Wiederherstellung Israels in Amos 9 wird von Gott in Apostelgeschichte 15 ausgelegt, indem sie sich auf die Einsammlung der Auserwählten Gottes bezieht, sowohl Juden als auch Heiden, um gerettet und in der Kirche vereint zu werden. Dies bleibt nicht irgendeiner Zeit in der Zukunft vorbehalten, sondern es geschah im ersten Jahrhundert und geschieht auch heute noch.
In Amos 9 sprach Gott zu den Juden durch den Prophet Amos über die Epoche des Neuen Bundes. Er sprach über die erstaunlichen Dinge, der er in der Zukunft für Gottes Volk tun würde. Aber er tat dies in Bildsprache. Gott sprach darüber in Begriffen wie König David, materiellem Wohlstand und politischer und militärischer Macht. Das ist die Sprache des physischen Königreichs. Aber wir sehen, dass bei der Erfüllung dieser Prophezeiung die Sprache des physischen Königreiches und des physischen Volkes Gottes in Begriffen des geistlichen Königreiches und geistlichen Volkes Gottes interpretiert wird. Amos wurde inspiriert, die Epoche des Neuen Bundes in der Sprache des Alten Bundes zu beschreiben und Lukas wurde inspiriert, es für uns zu interpretieren.
Einer der Abschnitte, die Israel verheißt, dass es das physische Land Palästina in der Zukunft und viele levitische Priester, die Opfer darbringen, erhalten wird, ist Jeremia 33. Dies ist ein weiteres Beispiel eines Propheten, der die Erfüllung im Neuen Bund in der Bildsprache des Alten Bundes beschreibt. Jeremia war ein Prophet für Juda, bis hin zu ihrem Exil im Jahre 586 v. Chr. In dem Kapitel, das unserem Text vorausgeht, gab Jeremia dem Volk eine klare Botschaft, dass sie schuldig sind und von den Babyloniern in Gefangenschaft geführt werden. Die Kapitel 30-33 sind ein heller Fleck in dem Buch, wo Gott Jeremia ein paar gute Nachrichten gibt. Diese gute Nachricht lautet, dass Gott Israel nach dem Exil zu einer Größe wiederherstellen wird, die nicht einmal Salomo bieten konnte. In Kapitel 31 ist die Verheißung eines Neuen Bundes, der anders sein wird als der Mosaische Bund, für dessen Bruch das Volk Israel gerade die Flüche erntete. In Kapitel 32 befiehlt Gott Jeremia, ein Grundstück gleich außerhalb Jerusalems zu kaufen. Er tut dies, um den Israeliten zu zeigen, dass Gott mit ihnen nicht fertig ist. Er wird Israel im Lande wiederherstellen und sie als sein Volk lieben. In Kapitel 33, nach Beschreibung des Gerichts, dass stattfinden wird, verheißt Gott, dass er sein Volk wiederherstellen wird:
„Siehe, ich will sie heilen und gesund machen und will ihnen dauernden Frieden gewähren. 33,7 Denn ich will das Geschick Judas und das Geschick Israels wenden und will sie bauen wie im Anfang 33,8 und will sie reinigen von aller Missetat, womit sie wider mich gesündigt haben; und will ihnen vergeben alle Missetaten, womit sie wider mich gesündigt und gefrevelt haben. 33,9 Und das soll mein Ruhm und meine Wonne, mein Preis und meine Ehre sein unter allen Völkern auf Erden, wenn sie all das Gute hören, das ich Jerusalem tue. Und sie werden sich verwundern und entsetzen über all das Gute und über all das Heil, das ich der Stadt geben will. 33,10 So spricht der HERR: An diesem Ort, von dem ihr sagt: ‚Er ist wüst, ohne Menschen und Vieh’, in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems, die so verwüstet sind, dass niemand mehr darin ist, weder Menschen noch Vieh, 33,11 wird man dennoch wieder hören den Jubel der Freude und Wonne, die Stimme des Bräutigams und der Braut und die Stimme derer, die da sagen: ‚Danket dem HERRN Zebaoth; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich“, wenn sie Dankopfer bringen zum Hause des HERRN. Denn ich will das Geschick des Landes wenden, dass es werde, wie es im Anfang war, spricht der HERR, 33,12 So spricht der HERR Zebaoth: An diesem Ort, der so wüst ist, dass weder Menschen noch Vieh darin sind, und in allen ihren Städten werden dennoch wieder Auen sein für die Hirten, die da Herden weiden. 33,13 In den Städten auf dem Gebirge und in den Städten des Hügellandes und in den Städten des Südlandes, im Lande Benjamin und um Jerusalem her und in den Städten Judas sollen dennoch wieder die Herden gezählt aus- und einziehen, spricht der HERR“ (Jer 33,6-13).
In diesen Versen verheißt Gott, dass er Israel nicht nur geistlich wiederherstellen, sondern dass er ihnen Wohlstand in einem neu aufgebauten Jerusalem geben wird. Materieller Wohlstand und physischer Friede vor den Feinden werden verheißen. Der zeitliche Rahmen ist, wenn Gott Juda aus der Gefangenschaft zurückbringt, was 70 Jahre nach dem Exil war. Dies ist eine eindeutige Verheißung, die physischen Israeliten in dem physischen Land wiederherzustellen und ihnen Gesundheit und Wohlstand zu geben. Diese Verheißungen sind spezifisch für Jerusalem und für dessen Umgebung. Beachten Sie, dass die Verheißungen mit messianischen Verheißungen verbunden waren:
„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich das gnädige Wort erfüllen will, das ich zum Hause Israel und zum Hause Juda geredet habe. 33,15 In jenen Tagen und zu jener Zeit will ich dem David einen gerechten Spross aufgehen lassen; der soll Recht und Gerechtigkeit schaffen im Lande. 33,16 Zu derselben Zeit soll Juda geholfen werden und Jerusalem sicher wohnen, und man wird es nennen ‚Der HERR unsere Gerechtigkeit’“ (Jer 33,14-16).
Die Verheißung eines „Sprosses“ und seine Verbindung mit David hat viel Ähnlichkeit mit Jesaja 4,2; 6,13; 9,7 und 11,1, mit besagter Erfüllung in Matthäus 1,23. Es ist klar eine messianische Verheißung, in der, gemäß der Sprache des Textes, der Messias im Land Palästina tun wird, was gerecht und richtig ist. Er wird Juda (physisch) retten und Jerusalem wird von seinen Feinden frei sein.
„Denn so spricht der HERR: Es soll David niemals fehlen an einem, der auf dem Thron des Hauses Israel sitzt. 33,18 Und den levitischen Priestern soll's niemals fehlen an einem, der täglich vor meinem Angesicht Brandopfer darbringt und Speisopfer in Rauch aufgehen lässt und Opfer schlachtet“ (Jer 33,17-18).
In diesen Verheißungen sehen wir nicht nur eine Verheißung ewigen Königtums in der Dynastie Davids, sondern eine ewige levitische Priesterschaft, die beständig Brandopfer, Speisopfer und Tieropfer darbringt.
„Und des HERRN Wort geschah zu Jeremia: 33,20 So spricht der HERR: Wenn mein Bund mit Tag und Nacht aufhörte, dass nicht mehr Tag und Nacht sind zu ihrer Zeit, 33,21 so würde auch mein Bund aufhören mit meinem Knecht David, dass er keinen Sohn mehr hat zum König auf seinem Thron, und mit den Leviten, den Priestern, meinen Dienern. 33,22 Wie man des Himmels Heer nicht zählen noch den Sand am Meer messen kann, so will ich mehren das Geschlecht Davids, meines Knechts, und die Leviten, die mir dienen“ (Jer 33,19-22).
Diese Verheißung könnte nicht klarer sein. Es wird von einem oder vielen Nachkommen Davids auf ewig eine Herrschaft über Israel und Juda sein, und es wird „unzählige“ levitische Priester geben, die vermutlich im Tempel für immer Opfer darbringen.
Ohne der Hermeneutik der NBT und dem Konzept von Sinnbild/Erfüllung wimmelt dieser Abschnitt nur so von Problemen. Sogar die messianischen Verheißungen sind hier problematisch. Gewiss findet der verheißene König aus dem Geschlecht Davids, der auf ewig regieren wird, in Jesus Christus seine Erfüllung. Diese Erfüllung ist etwas überraschend, weil man vor dem Kreuz eine dynastische Erfüllung dieser Verheißung, die eine Aufeinanderfolge von Königen, die über die Nation Israel herrschen, erwartet hätte. Aber wir wissen, dass diese Prophezeiung in Jesus Christus erfüllt wurde, der aus dem Geschlecht Davids stammt, aber ewig lebt. Obwohl Jesus gemäß Apostelgeschichte 2,24-36 und Hebräer 1,3 jetzt regiert, regiert Jesus nicht politisch über die Nation Juda. Jeremia spricht klar über geopolitische Herrschaft. Dies stellt für diejenigen ein Problem dar, die glauben, dass es notwendig ist, ein spezifische 1:1 Erfüllung der Prophezeiungen zu haben. Stattdessen ist es besser, die Sprache bezüglich der geo-politischen Herrschaft über die Nation Israel in der Weise zu sehen, dass Gott Bildsprache benutzt (das physische Königreich und die physische Nation), um die Erfüllung zu beschreiben, die das geistliche Königreich und das geistliche Volk umfasst.
Die Verheißung einer ewigen Priesterschaft, die Tier- und Speisopfer darbringt, ist ohne die hier beschriebene Hermeneutick schwierig, wenn nicht unmöglich im Einklang mit dem Neuen Testament zu interpretieren. In Hebräerbrief wird Christus spezifisch als der Hohepriester bezeichnet, der das eine Opfer darbringt. Von ihm wird gesagt, dass er dem Stamme Juda, nicht Levi, angehört. Dieser eine, ewige Priester macht die vielen Priester, die sterben, obsolet. Sein eines, wirksames Opfer entblößt ihre vielen unwirksamen Opfer als schwach, nutzlos und unfähig, um Sünden hinwegzunehmen:
„Auch sind es viele, die Priester wurden, weil der Tod keinen bleiben ließ; 7,24 dieser aber hat, weil er ewig bleibt, ein unvergängliches Priestertum. 7,25 Daher kann er auch für immer selig machen, die durch ihn zu Gott kommen; denn er lebt für immer und bittet für sie. 7,26 Denn einen solchen Hohenpriester mussten wir auch haben, der heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern geschieden und höher ist als der Himmel. 7,27 Er hat es nicht nötig, wie jene Hohenpriester, täglich zuerst für die eigenen Sünden Opfer darzubringen und dann für die des Volkes; denn das hat er ein für allemal getan, als er sich selbst opferte. 7,28 Denn das Gesetz macht Menschen zu Hohenpriestern, die Schwachheit an sich haben; dies Wort des Eides aber, das erst nach dem Gesetz gesagt worden ist, setzt den Sohn ein, der ewig und vollkommen ist“ (Hebr 7,23-28).
Es hätte den Anschein, dass die Wiedereinsetzung der levitischen Priesterschaft bedeuten würde, zu den Sinnbildern und Schatten zurückzugehen. Können Sie sich vorstellen, zurück zu den schwachen und nutzlosen Priestern, die das Blut von Stieren und Böcken opfern, zurückzugehen, nachdem wir den einen, vollkommenen und ewigen Priester haben, der das perfekte Opfer dargebracht hat? Hebräer 10 zeigt uns, dass das gesamte System des Gottesdienstes, einschließlich des Gesetzes und der Priesterschaft nur „ein Schatten der zukünftigen Güter, nicht das Wesen der Güter selbst ist.“ Der ganze Aufbau der Stiftshütte, die Priester und die anderen Opfer waren wunderbar darin, dass sie auf die Wirklichkeiten verwiesen, aber sie waren selber nicht die Wirklichkeit.
Wenn Jeremia von der Wiederherstellung des Geschickes der Nation Israel und der Stadt Jerusalem spricht und von einem ewigen Königtum über Israel auf dem Throne Davids und davon, sie zu bewahren und von einer ewigen und überaus zahlreichen levitischen Priesterschaft, die beständig Opfer darbringt, dann benutzt er Bildsprache, um Gottes Erfüllung im Neuen Bund zu beschreiben.
Frage: Ist die Theologie des Neuen Bundes „antinomisch“ (gegen das Gesetz)?
Lassen Sie mich gleich zu Beginn sagen: „NEIN!“ Dies ist eine häufig gestellte Fragen an die Anhänger der Theologie des Neuen Bundes (NBT) und sie verdient eine vollständige und sorgfältige Antwort. Richard Barcellos beschuldigte die Anhänger der NBT in der monatlichen Zeitschrift Tabletalk (in der September 2002-Ausgabe) von Ligionier Ministries, dass sie Antinomianismus befürworten. Antinomianismus ist eine Irrlehre, die mit authentischem Christentum nicht vereinbar ist.
Der Begriff Antinomianismus bezieht sich auf den Glauben, dass Christen kein Gesetz haben, dem sie gehorchen müssen. Das heißt, es ist der Glaube, dass Christen ein „gesetzloses“ Volk sind. Eine notwendige, damit verbundene Lehre ist, dass Christen nicht sündigen können. Sünde wird in der Heiligen Schrift als Übertretung von Gottes Gesetz (a. Ü. Gesetzlosigkeit) definiert (1Joh 3,4), und wenn es kein Gesetz gibt, dann ist es unmöglich zu sündigen. Von solch einer abscheulichen Überzeugung resultiert natürlich ein Leben moralischer Dekadenz. Daher ist Antinomianismus eine schon lange bestehende Irrlehre, die von allen treuen Christen bekämpft wird. In theologischen Kreisen wird der Begriff Antinomianismus wie der Begriff Vergewaltigung benutzt. Er ist wird gewöhnlich nur im Flüsterton gesagt, weil er so böse ist. Die Worte, die wir benutzen, spielen eine Rolle. Betrachten wir folgenden Austausch:
„Die Bibel ermutigt Kindesmissbrauch! Sind Sie nicht entsetzt und schockiert?
„Warten Sie mal! Inwiefern ermutigt sie Kindesmissbrauch? Die Bibel sagt uns nirgendwo, dass wir Kinder brutal behandeln sollen.“
„Nein, sie tut etwas viel gefährlicheres! Sie ermutigt Kindesmissbrauch, weil sie uns lehrt, dass wir unseren Kindern sagen müssen, dass sie Sünder sind. Das missbraucht ihr Selbstwertgefühl. Eine solche Behandlung der feinen Psyche des Kindes ist weit brutaler als bloß physischer Missbrauch.“
Bevor Sie sich zu sehr aufregen: Ich glaube nicht, dass die Bibel Kindesmissbrauch ermutigt. Ich glaube fest daran, dass man den Kindern das Evangelium erzählen soll, das aus beiden, der schlechten und der guten Nachricht besteht. Ich möchte, dass mein Kind eine Wertschätzung für Christus hat, nicht für das eigene Ich. Der Zweck des obigen Dialogs war, um den Punkt zu betonen, dass Worte eine Rolle spielen. Die Art und Weise, wie der Ausdruck Kindesmissbrauch benutzt wurde, verleumdet nicht nur denjenigen, der falsch beschuldigt wird und gibt ihm ein Etikett, das schwer abzuschütteln ist, sondern es verniedlicht auch das furchtbare Verbrechen an sich! In der selben Weise hat Tabletalk den Begriff Antinomianismus verwendet, um auf die NBT zu verweisen. Indem solch ein respektiertes Werk uns antinomisch nennt, verpasst es uns ein hässliches Etikett, das schwer abzuschütten ist. Zudem, indem sie diesen Begriff so verwenden, trivialisieren sie die Schwere der falschen Lehre und tragen dazu bei, dass man das Wahre schwieriger erkennt.
Autoren und Lehrer sind im Geschäft mit dem Wort. Wörter sie die Werkzeuge ihres Handwerks. Für christliche Theologen ist die Fähigkeit, den Gebrauch von griechischen und hebräischen Wörter zu erklären, eine Notwendigkeit, da dies die Originalsprachen der Bibel sind. Aber die Verwendung von Wörtern und daher der Sprache, einschließlich Griechisch und Hebräisch, wird von Regeln bestimmt. Die meisten christlichen Autoren sind sorgsam, wie sie Sprache benutzen, besonders Griechisch und Hebräisch. Aber geben Sie einem Anfänger oder einem leichtsinnigen Christen ein griechisches Wort, um damit zu spielen, ist das so, wie wenn man einem Kind die Schlüssel zu einem Süßwarenladen gibt ... man weiß nie, wie es ausgehen wird, aber man weiß, dass es ein großes Durcheinander geben wird. In dem Artikel „The Death of the Decalogue“ (Der Tod des Dekalogs) in Tabletalk, fängt Herr Barcellos an, mit dem antinomisch zu spielen und richtet ein solches Durcheinander an:
„NBT bläst einen deutlichen Alarm gegen den Antinomianismus. Wir müssen jedoch vorsichtig sein, um festzustellen, was NBT meint, wenn sie von Antinomianismus spricht. Wir müssen uns fragen: Gegen welches Gesetz? Und was bedeutet das Wort gegen? Bedeutet es gegen das Gesetz insgesamt? Bedeutet es gegen Teile davon? Die Vorsilbe anti hat mehrere Nuancen. Es kann bedeuten „gegen“, „stattdessen“, order „anstelle“. Mit anderen Worten, auch wenn die NBT nicht gegen das Gesetz in absolutem Sinne sein mag, wenn sie leugnet, dass das moralische Gesetz des Alten Testaments das moralische Gesetz des Neuen Testaments ist und wenn es das moralische Gesetz durch ein anderes ersetzt, dann ist das Antinomianismus in zweifacher Hinsicht“ (15).
Beachten Sie, dass die Bedeutung des Wortes antinomisch nicht mehr länger eine fixe Definition hat. Weder der Kontext, noch seine stetige historische Verwendung entscheidet, was das Wort bedeutet. Herr Barcellos sagt uns, dass die Bedeutung von antinomisch jetzt von der Flexibilität der griechischen Vorsilbe anti bestimmt wird. Er erweitert die Bedeutung des Wortes, sodass es jemanden, der nicht glaubt, dass das gesamte alttestamentliche Gesetz heute gültig ist, einschließt. Es könnte auch jemanden meinen, der glaubt, dass ein Gesetz anstelle eines anderen benutzt wird. Mit dieser magischen Verwandlung des Wortes trifft plötzlich die Definition antinomisch auf die NBT zu!
Spielen wir diesen Wortspiel einen Moment. Wir lernten von Herrn Barcellos, dass anti „gegen das Ganze von etwas“ oder „gegen einen Teil von etwas“ bedeuten kann. Herr Barcellos glaubt, zusammen mit anderen Christen, nicht daran, dass die Gesetze, die Opfer vorschrieben oder die Gesetze, die anordneten, wie die Israeliten ihre Felder bebauen oder wie sie ihren Bart zu tragen hatten, heute immer noch bindend sind. Daher sind Herr Barcellos und der Rest der Christenheit gegen einen Teil Gesetzes des Alten Bundes, daher müssen sie antinomisch sein! Wenn wir so mit den Wörtern spielen, kann jeder antinomisch genannt werden.
In seinem Artikel schreibt Herr Barcellos: „’Moderater Antinomismus’ ist unter einem neuen Banner wieder aufgetaucht ... Die Theologie des Neuen Bundes (NBT) rühmt sich der Herrschaft Christi in der christlichen Ethik, wozu wir applaudieren (Westminister Confession of Faith, 19,5), aber sie tut dies auf Kosten des Moralgesetzes“ (15). Nun, wenn diese Aussage zuträfe, würde die NBT wie ein vollkommener Widerspruch erscheinen. Wir erhöht jemand den Herrn und schafft doch das Moralgesetz ab? Besteht nicht das Wesen, den Herrn zu erhöhen darin, Christus zu gehorchen? Sind diese Moralgesetze in ihrem Charakter nicht so, dass, wenn jemand irgendeinem dieser Gesetze ungehorsam wäre, dies eine Sünde wäre? Doch, aber das ist nicht, was Herr Barcellos meint, wenn er den Begriff „Moralgesetz“ verwendet. Er benutzt den Begriff „Moralgesetz“ auf eine sehr spezifische Weise. Wenn man den Begriff „Moralgesetz“ hört, denkt man sofort an absolute Maßstäbe von richtig und falsch. Aber Herr Barcellos geht mit vielen in der Reformierten Theologie konform, die das „Moralgesetz“ spezifisch als die Zehn Gebote definieren. Weil die NBT den Dekalog für Gläubige im Zeitalter des Neuen Bundes nicht mehr länger als bindend ansieht, sind sie von der Definition her antinomisch. Mike Adams untersuchte diese Frage in einem vor kurzem erschienenen Studienpapier, wo er schreibt:
„Unsere dauernde Verwendung des Ausdruckes „Moralgesetz“, um das biblische Gesetz zu erklären, muss insgesamt verworfen werden, weil es oft benutzt wird, um einem ansonsten klaren Thema unbiblische Definitionen aufzuzwingen. Wegen seiner langen Geschichte sowohl innerhalb der Bundestheologie als auch innerhalb des Dispensationalismus führt der Begriff „Moralgesetz“ viel implizierte Bedeutung mit sich, die weniger als biblisch ist, und die aus diesem Grunde das Konzept des biblischen Gesetzes nicht klar vermittelt. In dieser Hinsicht wird das „Moralgesetz“ ein flexibles Mittel, um auszudrücken, was unser theologisches System in Bezug auf das biblische Gesetz von uns verlangt. Unsere Auslegung des biblischen Gesetzes bleibt ungeprüft, weil wir dem „Moralgesetz“ ohne Rücksicht auf den biblischen Text jede beliebige Bedeutung geben können.
Wir dürfen den Begriff „Moralgesetz“ nicht mit unseren theologischen Annahmen überfrachten. Neu-Bund-Theologen versuchen sich gegen solche Fehler zu schützen, während sie das biblische Gesetz ernst nehmen. Wenn Sie gläubig sind, ist es sehr wichtig zu wissen, welchem Gesetz sie gehorchen sollen. Der primäre Weg, wie wir unsere Liebe zu Gott zum Ausdruck bringen, ist durch Gehorsam zu seinen Geboten. Wie kann ich meinen Herrn lieben, wenn ich nicht weiß, was ich nach seinem Willen tun soll? Wie kann ich es vermeiden, gegen ihn zu sündigen?
NBT hält das Gesetz Christi hoch, welches das Gesetz ist, das für heutige Gläubige gültig ist. Das Gesetz Christi schließt die Gebote, die uns von Christus und den Aposteln gegeben wurden, ein. Es gibt viele, viele Gesetze in den Schriften des Neuen Bundes und aus Platzgründen kann ich nicht alle auflisten, aber nur einige der vielen Gesetze, denen Gläubige in der Epoche des Neuen Bundes gehorchen müssen, finden sich im Epheserbrief:
„Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. 4,26 Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen, 4,27 und gebt nicht Raum dem Teufel. 4,28 Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. 4,29 Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. 4,30 Und betrübt nicht den heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. 4,31 Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. 4,32 Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus“ (Eph 4,25-32).
Das sind sehr spezifische Gesetze, denen alle Gläubigen gehorchen müssen und wenn sie es nicht tun, sündigen sie. So lassen wir diese Kritik an der NBT nun ruhen. Die NBT ist nicht antinomisch. Die Frage in Bezug auf das Gesetz, welche die NBT Gläubigen zu bedenken gibt, ist nicht: „Müssen Gläubige heute irgendwelchen Gesetzen Gottes gehorchen?“, sondern vielmehr: „Welchen von den vielen Gesetzen in der Heiligen Schrift möchte Gott, dass seine Kinder im Zeitalter des Neuen Bundes gehorchen?“
Anmerkung zum Autor:
Steve Lehrer leitet die biblische Seelsorge und lehrt Theologie für In-Depth-Studies in Mesa, Arizona. Er hat einen Doktorgrad vom Westminster Theological Seminary in Kalifornien, inne.