

Verax Institut Dr. Martin Erdmann
dominionismus
technokratie
Neue Weltordnung
NWO
w
http://en.wikipedia.org/wiki/Dominionism
www.google.com
ww.ngu.edu
http://en.wikipedia.org/wiki/Dominion_Theology
Dominionismus, Technokratie, Gesellschaftstransformation, neue Weltordnung
Die Neo-Kuyperianischen
Sphären
Martin Erdmann, CH-Basel Kuypers Theologie der „Sphären“
wurde im Lauf der letzten hundert
Jahre ständig revidiert, um sie dem
jeweiligen geschichtlichen und
kulturellen Kontext anzupassen.
Sie bildete die Grundlage des theologischen
Paradigmenwechsels in
der Beziehung Kirche und Staat,
der mit dem Aufkommen des Neo-
Evangelikalismus einherging. In der
Fachliteratur wird dieser Umschwung
für das Aufkommen des „Dominionismus“
verantwortlich gemacht. Im
Folgenden wenden wir uns einigen
Aussagen Loren Cunninghams zu,
die charakteristisch dafür sind,
wie Evangelikale diese Ideen in
ihre Missiologie integriert haben.
Die dominionistische Grundnote
dieser Gedanken tritt dort deutlich
in Erscheinung, wo das Verständnis
der christlichen Unterweisung der
Gläubigen weltweit so umdefiniert
wird, dass damit das Verändern von
kulturellen, politischen und ökonomischen
Systemen gemeint ist.
Cunningham schreibt:
„Jesus hat uns befohlen, hinzugehen
und alle Nationen zu Jüngern zu
machen. In der Vergangenheit sind
wir als Missionare in Länder gegangen,
boten das Evangelium dar und
unterwiesen die Menschen im Lesen
und Schreiben. Wir haben uns nicht
daran beteiligt, die jeweiligen Landesregierungen
in Politik und Ökonomie
zu unterrichten. Wir haben dies den
Marxisten überlassen. In den Ländern
der Dritten Welt nahmen sich die
Kommunisten die jungen Männer vor,
die in Missionsschulen ausgebildet
worden waren, und lehrten sie die
Kunst des Regierens.
Gott sagt uns jetzt aber: ‚Ich weiß
mehr als irgendjemand anderes, wie
man ein Land regiert. Ich weiß mehr
als du über die Landwirtschaft und
Fischerei. Ich weiß mehr über dein
Geschäft und über Ausbildung. Ich
weiß, wie man am besten kommuniziert
und die Massenmedien einsetzt.
Ich möchte dich meine Prinzipien
lehren, so dass du anderen zeigen
kannst, alles zu befolgen, was ich
geboten habe. So werden wir eine
große Ernte an Seelen einfahren. Ich
habe dich berufen und möchte, dass
du Erfolg haben wirst. Du musst mir
nur gehorsam sein.’
Jesus hat verheißen, die Erde den
Sanftmütigen, den Barfüßigen zu
geben; und denen, die ihre Rechte
an ihn abgetreten haben. Er möchte
von uns, dass wir die Nationen der
Erde als sein Erbe ansehen. Er verheißt
uns, dass wir alles gewinnen
werden, wenn wir alles aufgeben.“
Loren Cunningham, Winning God’s
Ways, YWAM, 1988, S. 132.
Das Konzept der „Sphären“ kann
Dieser Artikel ist sicherlich für Nicht-Theologen schwer verständlich. Wir
drucken ihn aber – mit freundlicher Genehmigung des Autors – dennoch in seiner
ursprünglichen Form ab, weil er zur Gesamtthematik dieser Ausgabe einige
interessante Aspekte liefert.
Die Redaktion
„Diese sieben Sphären des Einflusses
werden uns helfen, Kulturen für Christus
umzugestalten.“ – Loren Cunningham,
Winning God’s Ways, YWAM, 1988,
S. 134.
War es reiner Zufall, dass Loren
Cunningham und Bill Bright fast
identische geistliche Visionen hatten,
in denen Gott ihnen neue Wege aufschloss,
um alle Nationen unter die
Herrschaft Gottes zu bringen? Teilte
Gott ihnen wirklich „gesellschaftliche
Kategorien“ mit, die den „sieben
Sphären des kirchlichen Einflusses“
entsprechen würden? Oder könnte
man vielleicht vermuten, dass sich
beide die wesentlichen Eckpunkte
der Lehren Abraham Kuypers zu
eigen gemacht haben? Die letzte
Möglichkeit mag das wahrscheinlichere
Szenario sein, denn Kuyper ist
für die Propagierung des modernen
Konzepts der „Sphären-Souveränität“
bekannt geworden. Als Bill Bright
Student am Princeton Theological
Seminary war, kam er sicherlich
mit den Lehren Kuypers in Berührung,
denn dort wurde das Abraham
Kuyper Center for Public Theology1
eingerichtet.
1 http://libweb.ptsem.edu/collections/kuyper/
about.aspx?menu=298&subText=470
G e m e i n d e g r ü n d u n g N r . 9 8 , 2 / 0 9 29
nicht isoliert von Kuypers Idee der
„allgemeinen Gnade“ betrachtet
werden. Wikipedia definiert die
„Sphären-Souveränität“ wie folgt:
„Die Bedeutung der „Sphären-
Souveränität“ im Neocalvinismus
ist, dass jede Lebenssphäre ihre
eigenen Verantwortungsbereiche
und Autorität oder Kompetenz
besitzt und auf gleicher Ebene mit
anderen Lebenssphären steht. Unter
„Sphären-Souveränität“ versteht
man, dass Gott eine neue Ordnung
geschaffen hat und das alles unter
der Sphäre göttlicher Kontrolle steht.
Diese umschließt das Bildungswesen,
die Kirche, den Staat, die Landwirtschaft,
die Ökonomie, die Familie
und die bildenden Künste. Es wird
darauf bestanden, dass geschaffene
Grenzen und historische Differenzen
bejaht und respektiert werden.“
Der auf Wikipedia veröffentlichte
Artikel über den Neocalvinismus2 bietet
eine gute Zusammenfassung der
verschiedenen Glaubenspositionen
dieser modernen Bewegung.
Es ist interessant, festzustellen,
dass das von Chuck Colson und
Nancy Pearcey geschriebene Buch
How Now Shall We Live (Tyndale,
1999) als eine der wichtigsten Ressourcen
in der Selbstdarstellung
dieser Bewegung zitiert wird. Auf
dem Weblog3 des Acton Instituts wird
Richard Mouw, Rektor des Fuller
Theological Seminary, ebenso als ein
Befürworter des Neocalvinismus erwähnt.
Obgleich die meisten Christen
meinen, dass diese Bewegung sich
aus dem Calvinismus entwickelte,
wo es ursprünglich tatsächlich Fuß
fasste und aufblühte, hat sie sich seit
Jahrzehnten im Fuller Theological
Seminary eingenistet und Kuypers
Lehren grundsätzlich neugestaltet.
Einige Generationen evangelikaler
Studenten sind mit dieser neuen
Form des Neocalvinismus im Vorlesungssaal
konfrontiert worden. Die
gesamte evangelikale Welt wurde
dadurch nachhaltig beeinflusst.
David Engelsma, Professor der
Dogmatik und des Alten Testaments
an der theologischen Hochschule der
„Protestant Reformed Church“ in
Grandville, Michigan, brachte 2003 in
einer Debatte mit Richard Mouw die
kritischen Aspekte des Neocalvinismus
zur Sprache. Engelsma zufolge
liegt das theologische Problem haupt-
2 http://en.wikipedia.org/wiki/Neo-Calvinism
3 http://www.acton.org/publications/randl/articles.
php?id=411
sächlich in Kuypers Konzept der
„allgemeinen Gnade“. Im Folgenden
werden wir einige Punkte der Kritik
Engelsma4 aufgreifen:
„Die Weltsicht der allgemeinen
Gnade, die Abraham Kuyper sich
vor etwas weniger als einhundert
Jahren erträumt hat, geht davon aus,
dass Gott neben seiner Absicht, eine
Kirche durch Jesus Christus zum
Heil zu führen, mit dieser Schöpfung
und Geschichte ein anderes Ziel
verfolgte, nämlich die Entwicklung
einer guten, frommen und Gott
verherrlichenden Kultur. Gott verwirklichte
diesen kulturellen Zweck
mit der Schöpfung und Geschichte,
indem er eine bestimmte Gnade den
nicht wiedergeborenen, ungläubigen
Menschen verlieh. Diese allgemeine,
kulturelle Gnade Gottes bewirkt Wunder
in den Gottlosen. Sie hält die sündigen
Tendenzen in ihnen zurück, so dass sie
nicht völlig verdorben sind, wie sie es
sonst wären. Sie befähigt diese gottlosen,
ohne Christus lebenden Männer und
Frauen, im alltäglichen Leben Dinge
zu tun, die wahrhaft gut und gottgefällig
sind. DieBösenwerdendadurchbefähigt,
eine Kultur zu errichten, eine in einer
Gesellschaft oder Nation sich ausgestaltende,
umfassende Lebensweise, die Gott
verherrlicht …
Die Weltsicht der allgemeinen
Gnade betört diejenigen, die ihren
Dunst einatmen, mit der freudigen
Erwartung eines irdischen Triumphes
des Königreiches Gottes mittels der
Gründung einer guten, frommen
Kultur in der Geschichte. Charles
Colson meint, dass eine Kooperation
der Evangelikalen mit den Römisch-
Katholischen im Errichten einer
Kultur, die von einem biblischen
Weltbild ausgeht, immer noch –
dank der allgemeinen Gnade – die
Kulturkämpfe gewinnen und die Gesellschaft
erlösen könne. Trotz eines
weit verbreiteten Pessimismus, der
davon ausgeht, dass die Evangelikalen
den Kulturkampf verloren hätten, ist
Colson optimistisch …
Obgleich Abraham Kuyper ein
nüchterner Amillennialist in seiner
Theologie gewesen war, wurde er ein
betörter Postmillennialist in seiner
Befürwortung der Weltsicht der allgemeinen
Gnade. Die Kooperation
der Gläubigen mit Ungläubigem im
Errichten einer guten Kultur kraft
allgemeiner Gnade würde in der
4 http://www. p r c a . o r g / p r t j / a p r 2 0 0 5 .
htm#%A0The%20Reformed%20Worldview%20
on%20Behalf%20of%20a%20Godly%20Culture
‚Christianisierung’ der Nationen,
wenn nicht der ganzen Welt enden.
Die Aufgabe der Kirche als Organismus
dürfe nicht weniger als die Transformation
menschlicher Gesellschaft
sein, indem sie in Einklang gebracht
wird mit den Prinzipien des christlichen
Glaubens. …
Kuyper zielt darauf
ab, … die ‚Christianisierung’
der
Gesellschaft zu
fördern … die
‚Christianisierung’
der
Gesellschaft
würde beinhalten,
dass
alle Aspekte
des menschlichen
Lebens
in Konformität
mit christlichen
Prinzipien gebracht
werden müssen.’ …
Der presbyterianische
Theologe William D. Dennison
vertritt in einem veröffentlichten
Artikel der Evangelical Theological
Society die These, dass der von Abraham
Kuyper ins Leben gerufene
niederländische Neocalvinismus, das
Ziel verfolge, die von der Aufklärung
beeinflusste Kultur umzugestalten
und sie unter die Herrschaft Jesu
Christi zu stellen. Kuypers Weltsicht
der allgemeinen Gnade sei jedoch
mehr ein Kind der Aufklärung und
Modernität gewesen als eine Bewegung,
die darauf abzielte, den historischen,
orthodoxen Calvinismus
zu bewahren.
Der reformierte Glaube betrachtet
das irdische Leben unter dem Vorzeichen
der ‚Wolke von Zeugen’ in
Hebräer 11. ‚Im Glauben sind diese
alle gestorben, ohne die Erfüllung
der Verheißungen erlangt zu haben;
nur von ferne haben sie diese
gesehen und freudig begrüßt und
bekannt, dass sie nur Fremdlinge
und Gäste auf der Erde seien; denn
wer ein solches Bekenntnis ablegt,
gibt dadurch zu erkennen, dass er ein
Vaterland sucht. Hätten sie nun dabei
an jenes Vaterland gedacht, aus dem
sie ausgewandert waren, so hätten sie
Zeit zur Rückkehr dorthin gehabt; so
aber tragen sie nach einem besseren
Vaterland Verlangen, nämlich nach
dem himmlischen. Daher schämt
sich auch Gott ihrer nicht, ihr Gott
genannt zu werden; er hat ihnen
ja bereits eine Stadt als Wohnung
Abraham Kuyper
1837-1920
30 G e m e i n d e g r ü n d u n g N r . 9 8 , 2 / 0 9
1) Die Auswirkung dieser Lehre
der „Sphären-Souveränität“ auf die
zwei Gründer der prominentesten
und größten evangelikalen Missionsgesellschaften
hat die Ausrichtung
der modernen Missionsbewegung
von Grund auf verändert. Von einer
ursprünglichen Fokussierung auf
die Verkündigung des Evangeliums
ging man nun dazu über, die Kultur,
Politik und Ökonomie der Nationen
zu verändern, indem man innerhalb
dieser gesellschaftlichen „Sphären“
zu wirken begann, um sie radikal
umzuändern. Ungeachtet dessen, was
die ursprüngliche Absicht Kuypers gewesen
sein mag, ist dies die der Realität
entsprechende Schlussfolgerung. Das
biblische Evangelium des ewigen Heils
wurde umfunktioniert in ein irdisches
„Evangelium des Königreiches“.
2) Wenn nun C. Peter Wagner öffentlich
mit seinem Dominionismus
in den Vordergrund tritt und gewisse
Gefolgsmänner in seinem „apostolischen
Weltreich“ diesen „Sphären“ zuordnet,
wird es Zeit, dass man davon Kenntnis
nimmt und versucht zu begreifen, was
sich hinter all diesem Bemühen verbirgt.
Die Konsequenz aus der Anwendung der
Lehren Kuypers kann nichts weniger
als ein umfassender Despotismus im
Namen Christi sein.
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